Nach den vergangenen zwei Wochen mit sehr vielen Ortswechseln und täglich vielen neuen Eindrücken haben wir uns sehr auf einen ruhigeren Alltag mit mehr Routine auf einer Farm in der Nähe von Mafinga gefreut. Davon haben wir auch einigen Einheimischen aus Arusha erzählt.
Ihre erste Reaktion war ausnahmslos - "Mafinga ? Da ist es aber seeehr kalt !". Doch zuerst stand eine 13h Busfahrt über Nacht von Arusha nach Mafinga an, auf der es leider überhaupt nicht kalt sondern eher drückend und stickig war. Von der beeindruckenden Landschaft haben wir nachts natürlich leider wenig mitbekommen. Dafür gab es immerhin genügend Pinkelpausen und wir konnten zwischendurch etwas auf unseren Plätzen in der letzten Reihe des Reisebusses schlafen. In der Nähe von Ortschaften gibt es hier künstliche Bodenwellen, die Fahrzeuge dazu zwingen sollen nicht mit Vollgas durch die Orte zu rasen. Diese Bodenwellen hat unser Busfahrer des öfteren etwas zu mutig in Angriff genommen, sodass es und im Halbschlaf aus unseren Sitzen katapultiert hat - huiii.
Nach ein paar Stunden Wartezeit in Mafinga sind wir dann in einen kleineren Bus umgestiegen, der in das Dorf unserer Farm fuhr. Dieser Bus war bis ins letzte Eck mit Menschen, Gepäck, Softdrinks und sonstigen Lebensmittel beladen. Der komplette Gang war mit 50kg Getreidesäcken ausgelegt, auf denen dann die Fahrgäste eng gedrängt standen.
Gegen Ende der Fahrt hat der Bus mitten zwischen zwei Ortschaften im Regen auf der Offroad-Straße angehalten. Die allermeisten Leute sind ausgestiegen und den vor uns liegenden Berg hoch gerannt. Bevor wir richtig verstanden was vor sich ging, ist der Bus mit nun deutlich weniger Ballast den Berg hochgetuckert und hat die ausgestiegenen Leute oben wieder eingesammelt.
Wir wurden sehr herzlich auf der Farm empfangen und haben uns dort sofort wohl gefühlt. Neben Ottoman und seiner Frau Angelica leben hier ihre 5 Kinder im Alter von 10 Monaten bis 13 Jahren. Außerdem gibt es etliche Hühner, Enten, Kaninchen, Schafe, zwei Hunde und ein Schwein namens "Chanchito". Für uns gibt es jede Menge verschiedene Tätigkeiten, sodass wir einen durchaus abwechslungsreichen Alltag haben und trotzdem eine gewisse Routine mit genügend Freizeit genießen. Anfangs haben wir einen Teich gegraben, in dem zukünftig eine kleine Fischzucht starten soll. Mittlerweile arbeiten wir zusammen mit Appio und Madje, zwei Arbeitern aus dem Dorf, an einer dritten Holzhütte um in Zukunft noch mehr Freiwillige beherbergen zu können. Zwischendurch helfen wir Angelica beim Kochen, backen Pizza im selbstgebauten Lehmofen, üben mit den Kids English oder Mathe und spielen Fußball.
Hin und wieder spazieren wir circa 30 Minuten ins Dorf um abends ein Bier zu trinken oder ein paar Snacks zu kaufen. Außerdem haben wir dort bei einer Schneiderin vor ein paar Tagen ein Kleid für Anna-Lena und zwei Hemden für Bene in Auftrag gegeben. Wir sind mal gespannt wie uns der traditionelle Stoff mit sehr farbenfrohen Mustern steht !
Außerdem haben wir von einem lokal gebrauten Bananenbier gehört, das man wohl ebenfalls im Dorf findet. Zusammen mit unserem neuen chinesischen Freund Wei haben wir Appio und Madje gebeten uns auf der Suche danach zu helfen. Also sind wir alle zusammen direkt nach Feierabend Richtung Dorf aufgebrochen. Ziemlich nah am Ortseingang blieb Apio stehen und meinte wir seien da. Wir blickten uns um, aber sahen lediglich einen abgetrennten Schweinekopf um den einige Fliegen summten. Appio deutete allerdings auf die andere Straßenseite in Richtung einer offenen Tür. Wir betraten also die Dorfkneipe, die sich als ein fensterloser kleiner Raum mit einigen Plastikstühlen und einem kleinen Beistelltisch herausstellte. Lokales Bananenbier gab es zur Zeit leider nicht, dafür allerdings gegorenen Bambussaft - auch nicht schlecht.
Wir genießen nun noch die letzten Tage hier in Tanzania und werden den geselligen Farmalltag und das leckere Essen sicherlich auch ein wenig vermissen. Genauso freuen wir uns aber auch auf die Weiterreise und ein neues Land!
P.S. Sooo kalt ist es übrigens hier nicht. Es regnet jeden Tag ein bisschen (kleine Regenzeit), aber das ist eher angenehm ;)