Am nächsten Tag machten wir einige Besorgungen - wir brauchten eine SIM-Karte für Sambia und ausreichend Snacks für die Reise mit der Tazara. Gegen Abend fuhren wir dann mit einem Taxi zur Bahnstation. Es stand kein Zug dort. Wir fragten herum und es hieß der Zug käme erst nachts und würde am nächsten Morgen um 10 Uhr abfahren und wenn wir nicht in der Bahnstation schlafen wollten, sollten wir uns eine Lodge suchen. Natürlich. Die Tazara hat immer Verspätung, aber wir hatten blöderweise bei unserem Ansprechpartner vor Ort nicht noch einmal nachgefragt. Okay, wieder mit Taxi zurück in die Stadt in ein Hotel - dieses Mal auf der sambischen Seite und etwas näher an der Bahnstation. Am nächsten Morgen der neue Versuch mit Glück. Die Tazara stand auf dem Gleis und es herrschte reges Treiben. Mr Chulu, bei dem wir das Abteil reserviert hatten, war auch da. Wir bezahlten und er brachte uns in unser Abteil. Es gibt drei Klassen. In der dritten bucht man einen Sitzplatz, in der zweiten ein Bett in einem Sechserabteil und in der ersten Klasse ein Bett in einem Viererabteil. Wenn man jedoch als Paar reist, muss man alle vier Betten buchen, da sie die Abteile sonst geschlechtergetrennt besetzen. Wir bezahlten insgesamt 50€ für die etwas über 800km, die vor uns lagen. Eigentlich fährt die Tazara die Strecke von Daressalam in Tansania bis nach Kapiri Mposhi in Sambia, das sind knapp 1900 km. Momentan sind die Züge jedoch nach Land getrennt, was angeblich daran liegt, dass keine ausreichenden Loks zur Verfügung stehen. Das erschließt sich uns nicht ganz, aber gut. Durch unseren Abstecher nach Malawi war es sowieso klar, dass wir nur den sambischen Teil fahren, auch wenn wir damit den wunderschönen Abschnitt durch den Nationalpark in Tansania verpassten. 

Wir fuhren tatsächlich um Punkt 10 Uhr los. Gemächlich verließen wir Nakonde. In der Arte-Doku über diese außergewöhnliche Bahn lernten wir, dass sie ca. 35km/h fährt. Und kam es auf offener Strecke aber etwas schneller vor. Unser Abteil war gemütlich, wir lasen, hörten Podcasts, schauten aus dem Fenster. Das schöne an der Verspätung war, dass wir nun erst tagsüber fuhren und die Landschaft genießen konnten. An jeder Bahnstation kamen die Dorfbewohner*innen und verkauften ihre Produkte - Bananen, Maniok, Mais. Es gibt aber auch eine Bar und ein Restaurant im Zug. Zum Abendessen gingen wir dorthin und aßen klassisch Nshima mit Gemüse (das sind oft grüne geschnittene Blätter von  einer Art Salat oder Süßkartoffeln oder Kürbis). Für zwei Portionen zahlten wir knapp 4€ und waren gut satt. Zurück im Abteil kuschelten wir uns in unsere Betten und konnten tatsächlich bei dem gleichmäßigen Ruckeln ganz gut schlafen. Am nächsten Morgen schauten wir auf der Karte wie weit wir gekommen waren und das war ganz schön weit. Wir sollten gegen Mittag nach 27 Stunden Fahrt ankommen. Also lasen wir noch ein bisschen, schauten aus dem Fenster die vorbeiziehende Landschaft an und kamen gut gelaunt in Kapiri Mposhi an. Diese lange Fahrt war auch eindeutiger sehr viel entspannter als die bisherigen Busfahrten gewesen und es war cool mit diesem Zug, über den wir Monate vor Beginn unserer Reise eine Doku geschaut hatten, gereist zu sein.